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Ablaßbilder 2010

Slideshow

Das Thamsbrücker Tambour Corps

Der Name


Seit 1996 ist das „Tambour-Corps“ ein eingetragener Verein und führt den Namen „Tambour-Corps 1924 Thamsbrück e.V.“ Doch wird es auch weiterhin in der Ablaßstadt traditionell nur „Der Tambour-Corps“ heißen.

„Corps“ (wie Chor ausgesprochen) kommt aus dem Französischen und beinhaltet den Begriff für „ Körperschaft“; als Einheit auftretende Gruppe. Insbesondere im 19. Jahrhundert wurde die Bezeichnung Corps für militärische wie auch studentische Verbindungen übernommen. Und „Tamboru-Corps“ wurde ab da auch geläufiger Name für Spielleute-Formationen.
 
 
Gründung bereits 1924

Der Initiator der Gründung war der damalige Stadtkämmerer von Thamsbrück, Fritz Hanhausen. Erster Leiter wurde Luis Krebs, der das Spiel auf der Trommelflöte von seiner Militärzeit her beherrschte. Ein zweiter Fachmann war der Musiker Otto Eckardt, welcher die Anleitung der Tamboure übernahm.

Auch ein ideal gelegenen Übungsraum fand man bald in der damaligen Gastwirtschaft des Bahnhofes. Sein Vorsteher und gleichzeitiger Wirt Hermann Steinert avancierte zum ersten Sponsor des Tambour-Corps.
 
 
Schwerer , aber erfolgreicher Beginn

Mit Eifer stürzten sich die geworbenen Jungs an ihr neues Hobby. Kaum einer hatte Vorkenntnisse in Notenkunde und Rhytmik. Doch nach 3 Monaten war das erste Stück : „Der Torgauer Parademarsch“ vortragsreif. Es folgten weitere Traditionsmärsche wie „ Preußens Gloria“, „Marsch des „Yorckschen Corps“, „Hauptmann zu Pferde“ oder auch der „Gardemarsch“. Übrigens werden einige dieser Märsche noch heute vom Tambour-Corps gespielt.

 In einer wirtschaftlich schweren Zeit, geprägt von den Inflationsjahren, wuchs der Tambour-Corps zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen. Die Didaktik der Einstudierung brachte eine Spielweise hevor, die sich in einer rhytmischen Exaktheit und einem syncronem Spiel auswirkte. Aus jener Zeit wird berichtet, daß die Zuhörer den Tambour-Corps schon von weitem an solchem Markenzeichen erkannten.

Nebenher entstand im Volksmund der Spitzname „de Späelmöpps“ (= die Spielmöpse), der durchweg als ehrenhafter zu verstehen war. Ja, die Anerkennung ging unter den Thamsbrücker Bürgern sogar soweit, daß es eine „Ehre“ war, ihrem Tambour-Corps einen „ausgeben“ zu dürfen, was natürlich auch immer gern angenommen wurde. Schließlich wurde der ehrenwerte Spender denn auch mit Trommelwirbel bis zur Theke und zurück begleitet.
 
 
Wechselvolle Geschichte und Rettung über schwierige Zeiten

In den langen Jahren seines Bestehens mußten einige Krisen gemeistert werden, welche das Tambour-Corps in seiner Existenz bedrohten. Insbesondere wurden die Auswirkungen des 2. Weltkrieges spürbar. Er hatte die jahrelange Unterbrechung im Wirken des Tambour-Corps eingeleitet und Riß eine große Lücke in den Reihen seiner Mitglieder. Erst zögerlich fand man nach den Kriegsjahren wieder Mut und Laune zum musikalischen Spiel. In der Funktion des Stabführers- er heißt in Thamsbrück „Tambour-Major“- fand man wieder einen würdigen Vertreter in der Person von Arno Frank. Nun entwickelte sich eine zweite Blütezeit. Erstmals erfolgte auch eine instrumentale Erweiterung in der Hinzunahme von Großer Trommel, Schlagbecken und Glockenspiel-Lyra.
 
Doch mit zunehmenden Alter der Mitglieder, zeichnete sich bereits die nächste Krise ab. Der Tod vieler Kameraden reduzierte den Mitgliederbestand erheblich. In dieser Zeit erhielt der Rest vom Tambour-Corps eine echt kameradschaftliche Hilfe durch einen Freund aus der Nachbarstadt Bad Langensalza: Arno Lehmann, Leiter des dortigen Spielmannszuges, leistete mit einigen seiner Mannen praktische Aushilfe.
 
 
Stärkende Eigeninitiativen

In dieser Zeit eines zweiten Tiefstandes erkannte ein Mitglied des Tambour-Corps den richtigen Ausweg und ergriff die Initiative: Karl Bergmann. Er prägte maßgeblich die nächste Entwicklungsetappe, indem er mehrere junge Flöttenspieler ausbildete. Das war der entscheidende Schritt für den Erhalt des Klankörpers. Schließlich kamen mit dem Anlernen weiterer Tamboure und Trommelflötenspieler durch die Gruppenleiter Rainer Günther und Armin Paul neue Mitglieder hinzu.
 
 
Was das Tambour-Corps als Besonderheit auszeichnet

Mit der Pflege des übernommen Brauchtums in der Ausführung diverser Reglements beherrscht das Tambour-Corps eine Praxis, die Seltenheitswert unter den Spielmannszügen besitzt.

Von besonderer Bedeutung ist hierbei die beim alljährigen Ablaßfest gebräuchlichen musikalischen Reglementsformen, wie z.B. Reveille, Generalmarsch, Tambour – zur - Fahne und Ausschwenken mit Gegenzug zur Parade.

So ruft der Generalmarsch, der nur von den Tambouren ausgeführt wird, jeweils die Bürgerwehr, zum Antreten, und das Wecken zur frühen Morgenstunde des Sonntages erfolgt nicht in der üblichen Marschmusik, sondern es wird die hierzu spezielle Reveille in 6/8- Metrik, bekannt durch den Refrain „ Freut euch des Lebens“ gespielt. Die Gestaltungselemente beim Ablaßfest haben sich bei den Mitwirkenden sowie unter den Bürgern und ihrer Gäste fest eingeprägt. Wie für fast alle Thamsbrücker ist auch für das „Tambour-Corps“ das Ablaßfest der Jahreshöhepunkt. Ja unter den Thamsbrückern heißt es gar: „Ohne Tambour-Corps is’s kei Abbels!“

 

Neue Strukturen durch Vereinsbildung

Im Jahre 1995 entschlossen sich die Mitglieder, ihre Zusammenarbeit in einem Vereinsgefüge zu manifestieren. Laut Satzung ist der Verein ein Zusammenschluß von Interessenten an der Spielmannszugmusik mit dem vordringlichen Ziel, die heimatliche Tradition und das Brauchtum im Thamsbrücker Ablaßfest zu pflegen. Seine Mitglieder bilden dabei eine verschworene Gemeinschaft, in der Kameradschaft eine große Rolle spielt. Die Leitung sowie die Probenarbeit wurde personell in feste Hände gegeben.

Dank einer konsequenten Vereins- und Probenarbeit, ist das Tambour-Corps heute stärker denn je. Der Verein besteht derzeit aus 24 aktiven Mitgliedern und 1 Ehrenmitglied. Mitglied kann jeder werden, der die musikalischen Voraussetzungen mitbringt, sich den Zielen des Vereins verbunden fühlt und die Vereinsatzung anerkennt.

In den Sektionen Trommelflöten einschließlich Glockenspiel-Lyra sowie Tamboure einschließlich Große Trommel und Becken werden regelmäßige Proben durchgeführt. Dadurch konnte die Qualität im musikalischen Vortrag und das Repertoire deutlich verbessert werden. Der musikalischen Qualität hat sich durch die Anschaffung neuer Uniformjacken das optische Erscheinungsbild des Tambour-Corps angepaßt. Insbesondere diese Investition hat den Verein finanziell stark belastet. Nur durch Fördergelder und Spenden sind auch in der Zukunft größere Anschaffungen, wie z.B. für neue Instrumente, realisierbar.

 

Ausblick und Ziele

Die Musikausführung als Mitglied im Tambour-Corps ist nicht nur ein schönes Hobby weil es allen persönliche Freude zurückgibt, sondern es läßt den Einzelnen auch öffentliche Anerkennung zu kommen. Dafür muß natürlich jeder etwas tun und sich engagieren. Private Vorhaben müssen auch zurückstehen können.

Als ein erfolgreicher Verein möchte sich das Tambour-Corps seinem Publikum mit steigender Präsenz darbieten können. Dabei sind Auftritte wie zum Brunnenfestumzug in Bad Langensalza oder zum Kreistrachtenfest inzwischen zu einer schönen Tradition geworden.

Für die nächsten Jahre haben sich die Mitglieder des „Tambour-Corps“ weiterhin vorgenommen, die musikalische Qualität sowie das Repertoire zu verbessern, damit der Verein weit über die Grenzen der Ablaßstadt ein Begriff wird für den Vortrag traditionsreicher Marschmusik.