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Ablaßbilder 2010

Slideshow

Das Ablaßfest - Entstehung und Geschichte
„Wer es sich einmal in den Kopf gesetzt hat, Thamsbrück zu besuchen, der hält sich dafür am besten das erste Juliwochenende frei. Und wenn es geht, nimmt man für den Montag auch noch Urlaub. In dieser Zeit findet nämlich in dem kleinen Ort an der Unstrut, der dem Besucher mit besonderem Stolz von den Einheimischen als Stadt vorgestellt wird, das alljährliche Ablaßfest ( „Abblß“ ) statt.“ (Frank Unfug)

Das dreitägige Ablaßfest beginnt und endet mit der Figur des Johann Tetzel, der als Vertreter des Ablaßhandels gleichsam zum Inbegriff des Ablaßwesens geworden ist. In marktschreierischer Manier verkaufte eben dieser Tetzel auf Straßen und in Wirtshäusern die Sündenvergebung mit dem Spruch: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“

Kommt also daher das Ablaßfest zu seinem Namen? Nein. Eine Urkunde von 1501, die im Pfarramtsarchiv Thamsbrücks gehütet wird, besagt, daß im selben Jahr - also noch in katholischer Zeit - allen braven Leuten, die u.a. am Sonntag vor St. Johannis ( Mitte Juni) andächtig zur Kirchweih gehen, ein vierzigtägiger Ablaß plus Wegfall eines Fastentages geschenkt wird. Geschenkt, wohlbemerkt, nicht verkauft! Aber die so Beschenkten mußten als Gegenleistung „5 Pater noster und ebensoviel Ave Maria“ beten oder sich anderweitig vorschriftsmäßig verhalten.
Die Bewohner der Nachbarorte, die ihr weniges Geld sparen konnten, machten sich also auf den Weg zum „Ablaß“ nach Thamsbrück. Weil viele Leute dann dort gewesen sein werden und somit auch Händler, weil der Mensch bei allzu großer Frömmigkeit auch nach Lebensfreude giert, wird es sicherlich anschließend ein Volksfest gegeben haben. Und eine ganz besondere Begünstigung konnte dieses Treiben obendrein steigern: das Recht, alljährlich einen kriegerischen Fahnenumzug abzuhalten. Dieses Recht erhielt die Stadt, weil sich - nach Aufzeichnungen des damaligen Bürgermeisters Möller - am 25.6.1500 dreißig Thamsbrücker Männer bei der Befreiung des Sohnes vom Landesherzog Albrecht in Friesland ruhmreich beteiligt hatten. (nach Schütz) Aus Dankbarkeit schenkte der Herzog den Thamsbrückern eine Fahne und eben das besagte Umzugsrecht.

Und somit fand das erste Ablaßfest im Juni anno 1501 statt; mit einem wichtigen Festelement, das in seiner heutigen Erscheinung als „Bürgerwehr“ bezeichnet wird.

Für interessierte geben wir nun einen Überblick über das Festgeschehen. Der nachfolgende Artikel wurde von Blumental im Jahre 1924 verfaßt. Auch andere Aufzeichnungen z. B. aus dem Jahr 1873 zeigen, daß das Ablaßfest von Generation zu Generation unverfälscht weitergegeben wurde, weshalb sich die nachfolgende Schilderung auch auf das aktuelle Jahr beziehen könnte.

„Es ist ein großer Tag oder besser eine Reihe von großen Tagen. Wochenlang vorher wird alle Arbeit im Hause erledigt. Wer irgend etwas ändern oder verbessern will, der tut es zu „Ablaß“. Niemals im Jahr wird soviel gezimmert, gemalert, gestrichen und geweißt wie in den Tagen vor „Applß“, denn am Sonntag vor Johanni beginnt das Fest, wie alle Volksfeste, mit Tanz. Am Abend versammeln sich alle waffenfähigen, jüngeren Bürger mit Gewehren vor dem Rathaus.

Der „Major“ mit seinen Offizieren hält Musterung, ein Umzug durch die Stadt folgt und endet mit einem Ständchen vor dem Hause des Bürgermeisters. Am nächsten Morgen gegen 9 Uhr tritt die Mannschaft wieder an. Die Stadtfahne mit dem Stadtwappen des Heiligen Georg, der über eine dreibogige Brücke reitet, wird feierlich vom Rathaus abgeholt. Magistrat und Stadtverordnete schreiten dem Zug voran und es geht hinaus auf das Unstrutried, wo von dem Bürgermeister die Parade abgenommen wird. Es folgt unter den grünen Bäumen, die das Ried schmücken, ein fröhlicher Tanz und das fröhliche Treiben währt bis gegen Mittag. Dann wird zum Antreten geblasen. Die bewaffnete Mannschaft teilt sich in zwei Heerhaufen, von denen der eine das Riedstor, mit ziemlich steilem Aufgang, und davor eine Brücke besetzt. Der andere rückt mit fliegender Fahne und klingendem Spiel heran. Einzelne Schüsse fallen und bald beginnt ein regelrechter Kampf beider Parteien um den Eingang zur Stadt. Je nach der Geschicklichkeit der beiden Führer zieht sich der Kampf längere Zeit hin und endet jedesmal damit, daß zwischen beiden Parteien Verhandlungen geführt werden, in denen nach manchem Scherzwort der heranziehenden feindlichen Schar Durchzug und Verpflegung im Städtchen zugestanden wird. In fröhlichster Laune geht es nun zurück vor das Rathaus, wo sich der Zug auflöst.
Mit Tanz und allerlei Volksbelustigungen wird der zweite Festtag beendet. Auch der dritte Tag bringt wieder eine besondere Abwechslung. Schon vor Beginn des Festes wird von den „Ablaßburschen“ die ausgestopfte Puppe eines Mannes, Tetzel genannt, auf das Dach desjenigen jungen Bürgers gesetzt, der in dem abgelaufenen Jahr nach seiner Verheiratung eine eigene Wirtschaft begonnen hat.

Jetzt am dritten Tage wird der Tetzel unter allgemeinem Jubel des Volkes vom Dach herunter geholt, auf einen grün geputzten Wagen gesetzt und durch die Stadt gefahren. Wenn er seine Rundfahrt beendet hat, kehrt er zurück vor das Rathaus und dort hält er oder vielmehr ein hinter ihm im Grün versteckter Bursche eine Ansprache, in der er dem Volk in Spottversen die Meinung sagt, sich z.B. aber auch bitter beklagt, wenn ihm von dem zumeist Verpflichteten die Aufnahme auf seinem Dache versagt worden ist.

Mit einem fröhlichen „Auf Wiedersehen“ endet er und wird im Galopp an die Unstrut gefahren, um dort ersäuft zu werden.

Einige Zeit ist Ruhe. Dann aber, für einen Neuling ein ganz seltsamer Anblick, beginnt sich am hellen Tage die Stadt mit allerlei vermummten Gestalten zu füllen, mit alten Weibern, die von der Jugend geneckt werden, dafür aber diese weidlich strafen. Auch ein „Schneider“ taucht im phantastischen Anzug auf, ein Bügeleisen an der Seite. Da plötzlich kommt um die nächste Straßenecke ein Wagen gefahren, sein Inneres ist verdeckt und verhüllt, an der Seite sind durch kreuzweise übereinander genagelte Bretter Windmühlenflügel nachgeahmt. Ein Teufel mit dickem Pelz und feuerroter Maske springt von dem Wagen und beginnt eine wilde Jagd auf die Hexen, die jede einzeln und von oben durch einen riesigen Trichter in die „Altweibermühle“ geworfen werden und nachher verjüngt, d.h. aber immer noch recht häßlich mit Larven und falschen Zöpfen geschmückt, wieder erscheinen.

Allmählich verlieren sie sich, wie sie gekommen sind und nachdem endlich der „Schneider“, ja der Teufel selbst durch den Trichter in die Mühle gestürzt und der Müllerbursche allein übrig geblieben ist, fährt der Wagen schnell um eine Ecke auf den nächsten Hof. Auch dieses Spiel ist aus. Tanz und andere Belustigungen wie am Vortag dauern an, meist bis in den Morgen des vierten Tages hinein.“
(nach Blumenthal, 1924)